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Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2017

Rahmenbedingungen & Hintergründe

Der Milchmarkt in der EU hat sich nach zwei schwachen Vorjahren 2017 deutlich erholen können. Die Milchauszahlungspreise sind kräftig gestiegen. Auch die Volatilität bleibt weiter eine bedeutende Thematik, so schwankte der Milchpreis innerhalb von 12 Monaten um 50 Prozent. Die Diskussion um die Preisabsicherung an der Warenterminbörse hat deutlich zugenommen, und DMK setzt sich mit dem Thema intensiv auseinander.

Erholung der Märkte im Jahr 2017

1 Inklusive aller durchschnittlichen Zuschläge (Milkmaster-Bonus, Logistikbonus, GVO- Zuschlag und Dividende). 2 Preisvergleich inklusive Zu- und Abschlägen nach deutscher Meldeverordnung für konventionelle Milch. 3 Durchschnittlicher Milchpreis von 11 Vergleichsmolkereien inklusive überwiesener Nachzahlungen, Mengen- und Qualitätszuschlägen, Dividende, Jahresanlieferung 500.000 kg.

DMK konnte im Berichtsjahr seine Auszahlungsleistung im Vergleich zu den Wettbewerbern deutlich verbessern, der Milchpreis lag 2017 inklusive aller durchschnittlichen Zuschläge und der Dividende bei 36,29 ct/kg und damit seit Jahren wieder über dem Bundesdurchschnitt.

Die Auszahlungspreise sind stark abhängig vom Markt und von den dort erzielbaren Verwertungen. Die Erholung war vorrangig auf einen zwischenzeitlich außergewöhnlichen Anstieg der Fettverwertung auf ein neues Rekordniveau zurückzuführen. Eine steigende Milchanlieferung folgte den gestiegenen Milchauszahlungspreisen zeitverzögert. Der Markt hat sich im vierten Quartal 2017 extrem gedreht. 

 

Rohmilchqualität von Milcherzeugern der Deutsches Milchkontor eG und Vertragslieferanten der DMK GmbH; ohne Rohmilchqualität von Mitgliedsmolkereien, Tochtergesellschaften und Tauschmilch sowie Rohstoff aus Zukauf. Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe in der Kuhmilch sind insbesondere Fett und Eiweiß, ihr Gehalt hat somit eine wirtschaftliche Bedeutung. Zudem gibt der Eiweiß- und Fettgehalt als Indikator wichtige Hinweise auf die Tiergesundheit und eine wiederkäuergerechte Fütterung.

Seit Anfang 2018 sind die Milchpreise über die gesamte Branche hinweg gesunken. Die Milchmenge ist über das Vorjahresniveau angestiegen, und in der Konsequenz ist der Milchpreis gesunken. Viele Verwertungen lagen gegen Ende des Jahres zum Teil deutlich unter 30 ct/kg Milch, was insbesondere aus den historisch niedrigen Preisen für Magermilchpulver und den schlechten Preisen für Käse resultiert. Aufgrund der starken Volatilität sind Prognosen derzeit herausfordernd. Das IG-Milchbarometer, herausgegeben vom ife-Institut in Kiel, prognostiziert eine sich verfestigende Marktlage, mit leicht positiven Tendenzen.

Positionierung in politischen Debatten

DMK vertritt die gemeinsamen Interessen des Unternehmens und der Milcherzeuger  in die Agrarbranche hinein und ist aktiv in der IG Milch engagiert. Mit Gründung der Interessengemeinschaft Genossenschaftliche Milchwirtschaft, kurz: IG Milch, wurde eine Plattform geschaffen, bei der vornehmlich genossenschaftliche Belange diskutiert und daraus strategische Empfehlungen entwickelt werden. Es geht vor allem um die Interessen der Milcherzeuger und ihrer Genossenschaften. DMK möchte in der IG Milch gemeinsame Positionen aus Sicht der Eigentümer zu politischen Themen und genossenschaftlichen Belangen abstimmen und gegenüber Politik und Verwaltung vertreten – sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene. Außerdem brachte sich Ingo Müller, der CEO der DMK GmbH, auf der Internationalen Grünen Woche im Februar 2018 in die Diskussion der Branche ein. Er rief die Verbände auf, eine Sektor-Strategie Milch 2030 für Deutschland zu erarbeiten. Diese gemeinsame Strategie für die Milchbranche soll mithilfe eines konstruktiven Stakeholder-Dialogs erarbeitet werden.

Kartellrechtliche Prüfung der Milchlieferbedingungen

Im April 2016 hatte das Bundeskartellamt gegen die Deutsches Milchkontor eG und die DMK Deutsches Milchkontor GmbH ein Pilotverfahren eingeleitet und damit die Liefervereinbarungen zwischen Unternehmen und Landwirten auf den Prüfstand gestellt. DMK hatte sich klar im Schulterschluss mit den größten Verbänden der Molkereibranche positioniert. Im Januar 2018 wurde das Musterverfahren wegen der Lieferbedingungen bei der Rohmilcherfassung ohne Auflagen eingestellt. Der Ausgang des Verfahrens zeigte, dass die Lieferbedingungen von DMK in der Milchwirtschaft üblich und rechtens sind. Sie sichern die Zukunftsfähigkeit der bäuerlichen Betriebe einerseits sowie andererseits die betriebswirtschaftlich belastbaren Planungen der Molkerei – und sind damit auch im Interesse beider Seiten.

Für eine faire und nachhaltige Milchwirtschaft der Zukunft

Seit einigen Jahren sieht sich DMK mit wachsenden Anforderungen konfrontiert. Insbesondere Handels- und Industriekunden platzieren Themen wie: Tierwohl (speziell die Anbindehaltung), gentechnikfreie Fütterung, ökologische Landwirtschaft, Regionalität, Weidemilch, CO2-Reduktion, laktosefreie und vegane Produkte.

Die höheren Anforderungen führen oft auch zu höheren Produktionskosten auf den landwirtschaftlichen Betrieben. Außerdem ist häufig eine Separierung der Warenströme vom Ursprung bis zur Verpackung erforderlich, um die Anforderungen umsetzen oder ausloben zu können. Bestimmte Forderungen wie etwa die Weidehaltung lassen sich aufgrund von Standortgegebenheiten nicht flächendeckend umsetzen. Teilweise führen die Anforderungen auch zu Zielkonflikten aus Nachhaltigkeitssicht, etwa durch zusätzliche Touren bei differenziert erforderlicher Milchabholung oder durch den zusätzlichen Reinigungsaufwand bei separaten Warenströmen in den Produktionswerken.

Umstellungen lassen sich nur wirtschaftlich durchführen, wenn es eine entsprechende Nachfrage und eine angemessene Honorierung gibt. Zugleich muss die Verfügbarkeit am Beschaffungsmarkt, etwa von nachhaltigen Futtermitteln oder nachweislich gentechnikfreien Stabilisatoren, gegeben sein. Die Landwirte benötigen Vorlaufzeiten und ein hohes Maß an betriebswirtschaftlicher Flexibilität, was den Erwartungen von Verbrauchern und Händlern nach schnellen Umstellungen gegenübersteht. 

DMK macht sich stark für ein gemeinsames Anliegen in der Milchwirtschaft: Produkte tierischen Ursprungs in hoher Qualität herzustellen, die heimische Erzeugung zu stärken und die Anforderungen der Kunden für Milcherzeuger wirtschaftlich und gut umsetzbar zu machen.

In diesem Sinne verfolgt DMK seit dem Jahr 2013 mit der Nachhaltigkeitsstrategie DMK 2020 und mit dem Milkmaster-Programm einen umfassenden Ansatz für mehr Nachhaltigkeit in der Milcherzeugung. Die strategischen Ansätze konzentrieren sich nicht auf Einzelaspekte wie etwa die Weidehaltung, sondern integrieren vielmehr umfassend und vielschichtig Tierwohl-Aspekte, Umweltschutz und die wirtschaftliche Perspektive der Landwirte. Denn für DMK steht ein wirtschaftliches Unternehmertum, das die Anforderungen von Kunden und Verbrauchern mit den betrieblichen Anforderungen der Milcherzeuger in Einklang bringt, weiter im Fokus. 

Weitere Kapitelthemen

Milcherzeugung & Milchverarbeitung