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22.11.2018

Zauberwort Digitalisierung: Die zusätzliche Wertschöpfung in der Landwirtschaft dürfte in den nächsten zehn Jahren etwa drei Milliarden Euro betragen. Das schätzt der Digitalverband Bitkom. Dr. Philipp Inderhees, bei DMK Bereichsleiter Konzernstrategie: „Die Digitalisierung betrifft die gesamte Milchwirtschaft, wir analysieren die Möglichkeiten genau.“ Es gehe um die Fragen: „Wie verbessere ich mein vorhandenes Geschäft?“ und „Welche neuen Geschäftspotenziale ergeben sich?“.

Zur Digitalisierung fordert Franz- Josef Holzenkamp, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), von der neuen Bundesregierung vor allem, dass die Breitbandversorgung für den ländlichen Raum „endlich in die Tat umgesetzt wird“. Laut Holzenkamp nutzt die Land- und Agrarwirtschaft seit jeher technischen Fortschritt offensiv zur Ausrichtung auf veränderte Märkte.

Automatisch füttern und melken

Schon heute nutzt jeder zweite Landwirt Fütterungsautomaten. Die Arbeitszeit wird so flexibel planbar, die Ernährung für jedes Tier individuell einstellbar. Auch automatische Melksysteme (AMS) werden immer beliebter. 2015 wurden laut Bauernverband in 3.500 deutschen Milchviehbetrieben Melkroboter eingesetzt. AMS führen zu einer Flexibilisierung der Arbeitsprozesse und vor allem zu einer größeren Menge an Daten, die in die Prozesse des „Precision Livestock Farming“ integriert werden müssen.

Tiergesundheit messen

Wie viel frisst ein Tier, wie bewegt es sich, wie ist der pH-Wert des Pansens? Antworten geben Sensoren, die Daten im Stall messen. Zeigen sich Auffälligkeiten, schlägt das System Alarm und sendet eine Nachricht aufs Smartphone. Mögliche Krankheiten werden so schnell erkannt. Laut Bitkom nutzen bereits 25 Prozent aller Landwirte solche Sensor-Technik, weitere 11 Prozent planen den Einsatz.

Reinigung optimieren

Beispiel Lebensmittelproduktion: 15 bis 20 Prozent der Kosten in der Molkerei werden von der Reinigung verursacht. Selbstlernende Reinigungsgeräte mit Sensoren können die Effizienz deutlich steigern, heißt es beim Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Dresden. Die Geräte erkennen, welche Bereiche wie gereinigt werden müssen und wann der Vorgang abgeschlossen werden kann.

Kundenvertrauen gewinnen

Landwirte können die Digitalisierung auch nutzen, um das Vertrauen von Kunden und Verbraucher zu erhöhen. So hält es die große Mehrheit der von Bitkom befragten Landwirte für realistisch, dass die Kunden in Zukunft via Webcam in den Kuhstall schauen oder digital den Weg ihres Milchprodukts zurückverfolgen.

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