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Bis vor sieben Jahren standen Christiane und Heinrich Nunnenkamp noch gut sechs Stunden im Melkstand. Jeden Tag. Neben der Betreuung von jährlich zwei Auszubildenden und der Erziehung von vier Kindern war das eine enorme Belastung. Das ist längst Vergangenheit, sagt Christiane Nunnenkamp. „Wir haben das Hofmanagement von Grund auf verändert und sind dadurch effizienter geworden.“

Seit gut 30 Jahren führt die Landwirtin gemeinsam mit ihrem Mann Heinrich Nunnenkamp einen Milchhof im ostwestfälischen Landkreis Minden- Lübbecke. Mit seinen 160 Kühen und 190 Jungtieren steht der Hof zwar nicht für den deutschen Durchschnittsbetrieb, doch er zeigt, wie sich bei ähnlicher Größe und Anzahl der Mitarbeiter ein modernes Hofmanagement so gestalten lässt, dass die Kühe mehr Milch geben – bei besserer Gesundheit.

Die Idee für das Konzept ist lange gewachsen, es beruht auf vielen Jahren Erfahrung in der Milchviehwirtschaft, vor allem aber auf einer neuen Form der Aufgabenteilung. Jeder Nunnenkamp arbeitet jetzt nach seiner Neigung und in eigener Verantwortung: Christiane kümmert sich vorwiegend um die Kälber und das Melken, Heinrich um Roboter, Gesundheitsmanagement und Zucht. Auszubildende gibt es nicht mehr, denn mit zweien ihrer Söhne haben sie vor zwei Jahren eine GbR gegründet. Dietrich und Christoph Nunnenkamp kümmern sich vorwiegend um Planung, EDV, Ackerbau, Fütterung sowie Jungvieh und Frischmelken.

 

"Weil jeder von uns viel Herzblut in seine Aufgabe steckt, fühlt es sich nicht mehr nur nach Arbeit an“, sagt die Landwirtin. Das Tierwohl steht für die Familie an oberster Stelle. „Je besser es der Kuh geht, desto mehr Milch gibt sie und desto länger lebt sie.“ Das sei auch wirtschaftlich von Vorteil. „Turbokühe“ findet man in ihrem Betrieb nicht.

„Unsere Tiere sind gut ausgefütterte und betreute ‚Spitzensportler‘, die in ihrem Leben viel leisten.“ Unter anderem bekommen Kälber bis zu zehn Liter Vollmilch pro Tag, ab der zweiten Woche Müsli zur freien Verfügung. „Wir achten darauf, dass sie in den ersten zwei Jahren nicht krank werden, denn das sind entscheidende Jahre“, sagt Heinrich Nunnenkamp. Die Zahlen des Hofs sprechen für sich: Die durchschnittliche Milchleistung der Herde betrug in den letzten drei Jahren 12.800 Kilo Milch.