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Unternehmen & Genossenschaft

CEO Müller im Interview „Herr Müller, was treibt Sie aktuell?“

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20.03.2019

Was treibt den CEO aktuell, Herr Müller?
Ingo Müller: Wenn ich auf 2018 zurückblicke, dann ist beeindruckend, an wie vielen Baustellen wir innerhalb der DMK Group „angepackt“ haben und welche Schritte wir nach vorn machen. Ob das die Ausrichtung auf den Absatzmarkt ist, interne Prozesse und Systeme aus der neuen BUStruktur, die Etablierung einer neuen Unternehmenskultur oder auch die Umsetzung unserer Eckpunkte zur Stabilisierung des Geschäfts, unserer „Big Bets“. Gleichzeitig zeigt uns das auch, in welchem Ausmaß Veränderung und Weiterentwicklung notwendig waren und weiter notwendig bleiben.

Sie haben letztes Jahr gesagt: Veränderung hört nie auf. Gilt das weiter?
Ich stelle mal eine Gegenfrage: Können wir uns auf den derzeitigen Ergebnissen der DMK ausruhen? Sicher nein. Wir liegen im Molkereivergleich im Mittelfeld. Das ist nicht unser Anspruch. Wir haben deswegen einen klaren Kurs eingeschlagen: „Wertschöpfung vor Wachstum.“ Dazu entwickelt sich eine neue „Wir sind DMK“-Mentalität. Beides sind unsere Haltepunkte für die Welt, die sich um uns herum verändert. Wir sind noch nicht fertig, uns neu zu sortieren und die Fusionen und zurückliegenden Krisenjahre komplett aufzuarbeiten. Das heißt ganz einfach: Die Umsetzung der Big Bets bleibt weiter unsere wichtigste Aufgabe bis 2020 und stellt das Kernelement für unsere derzeitigen Unternehmensergebnisse dar. Darüber hinaus müssen wir anfangen, auch über 2020 hinaus zu denken und uns auf die Zukunft vorzubereiten.

Ist denn nicht das „Hier und Jetzt“ wichtiger als die Zukunft?

Wenn wir uns heute verbessern und Kosten sparen wollen, müssen wir festlegen, wohin wir wollen. Sonst treffen wir kurzfristig Entscheidungen, die uns in der Zukunft den Weg versperren und Doppelarbeit bedeuten.Das Geschäft ist und bleibt herausfordernd, das ist klar. Aber über den Tellerrand zu schauen sichert uns das Tagesgeschäft der Zukunft. Wenn wir uns darum heute nicht kümmern, brauchen wir, überspitzt gesprochen, morgen nicht mehr antreten. Es gibt in der Wirtschaft Beispiele, wo Unternehmen zur richtigen Zeit radikal nach vorn geschaut haben oder Entwicklungen schlicht verschlafen haben. Ein Beispiel für Letzteres: Quelle galt in den 1970er-Jahren als größtes europäisches Versandhaus. Der Quelle-Katalog lag über Generationen hinweg in jedem zweiten Wohnzimmer. Bis 2009. Der Winter-Katalog 2009/2010 war der letzte seiner Art. Am 19. Oktober 2009 wurde das Versandhaus Quelle aufgelöst – die Katalogbestellung wurde endgültig vom Internet abgelöst. Oder Tesla: Während die großen Automobilhersteller mühsam die Scherben der Diesel-Debatte aufkehren, setzt jemand, den man anfangs kritisiert hat, Maßstäbe im Bereich Mobilität. Was heißt das? Wenn wir uns nur einen Augenblick ausruhen, werden wir von anderen überholt.

Das klingt spannend. Was bedeutet das konkret?
Wir haben uns in den zurückliegenden Wochen damit beschäftigt, wie unser Umfeld zukünftig aussehen wird und wie wir uns darauf bestmöglich vorbereiten. Einkaufen in 2030? Verbraucherwünsche, Wettbewerber, Einflüsse aus der Digitalisierung – dazu müssen wir Antworten finden. Wie soll bzw. muss die DMK in 2030 aussehen. Ein solches strategisches Zielbild ermöglicht es uns, in einem hochkompetitiven Marktumfeld langfristig wettbewerbsfähig zu sein.

Wie muss ich mir diesen Blick weit nach vorn vorstellen?

2030 klingt wie Science-Fiction – es sind aber nur 11 Jahre. Schauen wir den gleichen Zeitraum zurück, dann wurde 2006 Angela Merkel Kanzlerin, Apple hat das iPhone gebracht und in Deutschland hat König Fußball mit der Weltmeisterschaft Halt gemacht. Das zeigt deutlich, wie schnell sich Dinge ändern und wie kurz uns der Zeitraum eigentlich aus der Perspektive vorkommt. Wir haben uns gefragt: An welche Entwicklung glauben wir in der Welt 2030 und was sind relevante Trends für die Milchwirtschaft?

Heißt das, nach MOVE kommt MOVE 2.0?

Nein. Der Blick auf 2030 ist keine „neue“ Strategie und kein Restrukturierungsprogramm, sondern vielmehr eine Evolution des in den letzten beiden Jahren eingeschlagenen Weges. Wir haben die Basis gelegt, jetzt in die Zukunft schauen zu können. Aber verändert sich unmittelbar etwas für uns? Zuerst einmal haben wir eine klare Identität. Das ist bei aller Veränderung intern wie extern unser Kern, und daran wird sich auch nichts ändern. Wir sind stolz, ein genossenschaftliches Molkereiunternehmen mit Tausenden Landwirten zu sein. Das heißt, wir verarbeiten jährlich viele Milliarden Kilogramm eigene Milch zu Lebensmitteln höchster Qualität und bieten unseren Kunden ein breites Sortiment. Unser Fokus liegt auf Europa, wo die meisten unserer Kunden sind. Und wir handeln über die gesamte Kette im Einklang mit Mensch und Natur von der Weide bis zur Milch im Glas und setzen dabei gezielt auf Nachhaltigkeit. Mit unserem klaren Fokus auf die Wünsche der Verbraucher sind wir ein zuverlässiger Partner für unsere Kunden. Daran ändert sich nichts.

Aber was ändert sich dann?
Wenn ich ein Bild der DMK von gestern zeichnen müsste, dann ist das sehr produktionslastig gedacht und sehr vom Rohstoff herkommend. Was daran schwierig ist? Reine Anbieter von Produkten sind austauschbar. Dabei konkurrieren wir mit einer Vielzahl von Wettbewerbern in den unterschiedlichen Marktsegmenten. Auf der Nachfrageseite spielt die Musik. Es gibt nicht mehr den einen Typ Konsument! Themen wie Nachhaltigkeit gewinnen extrem an Bedeutung (Plastik, Tierwohl), Abwechslung ist gefragt; Storytelling ist ein Muss. Convenience und Functional Food sind schon im Trend, das Zusammenspiel von On- und Offline- Einkäufen wird „normal“. Ich könnte hier noch über 20 Megatrends benennen, die unmittelbar Einfluss auf die Molkereiindustrie haben. Im Zielbild 2030 werden wir noch stärker vom Konsumenten her denken. In der letzten Ausgabe der MILCHWELT haben wir sehr detailliert über die Zukunft der Lebensmittel berichtet. Mit diesem Fokus wollen wir in ausgewählten strategischen Märkten zu einem führenden Wettbewerber werden. Von Käse über Babynahrung bis zur Molke – wir verfügen über das Know-how, um tolle Produkte zu kreieren und gleichzeitig den Service und Wert für unsere Kunden/ Konsumenten und die DMK zu maximieren.

„Wir wollen die Nüchternheit der Vergangenheit ablegen“

Ingo Müller

Vom Konsumenten her denkend? Was kann er von uns erwarten?
Milchprodukte machen den Großteil unseres Portfolios aus und stellen die Basis für unser Sortiment dar. Wir bieten unseren Verbrauchern die beste Auswahl an Milchprodukten und expandieren in angrenzende Lebensmittelund Getränkesegmente.
Unser Ziel ist es, den Verbraucher in allen Lebensphasen zu begleiten. Wir stimmen unser Angebot dazu zukünftig gezielt mit den Bedürfnissen des Verbrauchers in jeder Lebensphase ab – von der Babynahrung über das tägliche Glas Milch bis zu nährstoffreicher Kost für Senioren sind wir für den Konsumenten da. Dabei steht im Mittelpunkt, die Rohstoffe der Natur optimal zu nutzen. Für uns steht der Kunde an erster Stelle, und wir passen unser Angebot an die sich verändernden Bedürfnisse an.

Wann geht es denn los mit „2030“?
Gestartet ist die Zukunft für uns in 2017. Spaß beiseite – ich habe ja gesagt, Weiterentwicklung ist Daueraufgabe – da passt nicht mal das Bild des Marathons. Besser passt vermutlich „Der Weg ist das Ziel“. Wenn man ein Ziel hat, dann wünscht man sich oft einfach nur, schnell anzukommen. Wenn die Dinge dann nicht gleich so laufen, wie man sie gern hätte, wird man schnell ungeduldig.
Um am Ziel anzukommen, braucht man Geduld und Ausdauer. Deshalb machen wir weiter einen Schritt nach dem anderen und schauen, ob wir den letzten Schritt richtig gemacht haben.
Auf diese Weise machst du den Weg zum Ziel und stellst sicher, dass du dein großes Ziel auch erreichst. Wer nur schnell sein will, macht oft Fehler und kommt doch nicht früher an. Wir haben mit einem groben Zielbild 2030 einen Rahmen gesetzt und arbeiten jetzt in den nächsten Wochen daran, wie wir dieses Zielbild gemeinsam in den einzelnen BUs detaillieren können. Zum Sommer hin werden wir so weit sein, hier ein detaillierteres Gesamtbild zu haben, also den groben Fahrplan der nächsten Jahre, den wir dann wie bisher Schritt für Schritt abfahren werden.

Zusammengefasst – wohin geht die Reise?
Wir haben die ersten Schritte gemacht – jetzt müssen wir uns weiterentwickeln. So wollen wir uns einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil gegenüber lokalen und globalen Wettbewerbern schaffen, die noch stark rein in Produkten denken, wie das für die Molkereibranche normal ist.
Das heißt, wir kommen weiter von einem Produktions- zu einem Konsumenten- und Kundenfokus.
Wir werden uns und unsere Marken weiter emotionalisieren und die „Nüchternheit“ der Vergangenheit ablegen. In der Summe also weg von eher opportunistischen Geschäften zur echten Fokussierung. Das wird eine lange Reise, aber: „Der Weg ist das Ziel.“ Wir werden uns weiter verbessern, und wenn wir mal stolpern, dann werden wir aus den Fehlern lernen. Eins ist sicher: Geschenkt bekommen wir nichts. Es liegt an uns – wir können den Unterschied machen. Wir sind DMK.

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