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Aktuelles zu Corona

„Ein Stresstest für uns alle“

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08.07.2020
Ingo Müller und Dr. Frank Claassen über DMK und Corona, internationale Perspektiven bei geschlossenen Grenzen und leere Regale in den Supermärkten

Herr Müller, Herr Dr. Claassen, wie haben Sie die letzten Wochen erlebt?

Müller: Als wir die Neuorganisation der DMK Group beschlossen haben, wussten wir, dass wir damit eine enorme Umwälzung auf den Weg bringen. Also haben wir uns darauf eingerichtet, viele Gespräche mit Landwirten, Mitarbeitern, unseren Kunden oder der Politik zu führen. Wir wussten, dass wir jedem Beteiligten enorm viel abverlangen. Was wir in den vergangenen Wochen mit der Corona-Krise erlebt haben und immer noch erleben, ist eine Steigerung, die ich mir nicht hätte vorstellen können. Das ist ein Stresstest für uns alle. Und um das gleich zu sagen: Ich bin positiv überrascht, wie gut sich unser Unternehmen und unsere Gemeinschaft in dieser Lage schlägt. 

Dr. Claassen: Mich hat am stärksten beeindruckt, wie alle an einem Strang ziehen. Binnen weniger Tage mussten wir uns auf komplett neue Arbeitsbedingungen einstellen — Homeoffice, zusätzliche Hygiene- und Abstandsregeln in Produktion und Logistik. Dass wir trotzdem bei so vielen Projekten auf Kurs geblieben sind und nach einer kurzen Unterbrechung konzentriert an unseren Inhalten weitergearbeitet haben, verdient großen Respekt.

 

Dass die Lage ernst wird, haben viele Verbraucher erst realisiert, als sie vor leeren Regalen im Supermarkt standen — goldene Zeiten für Lebensmittelhersteller?

Müller: Schön wär’s! Aber wir müssen den Markt differenziert sehen: Die Gastronomie, Kantinen, das was bei uns im Bereich Food Service läuft, ist für Wochen komplett ausgefallen. Das können wir zum Teil dadurch ausgleichen, dass wir den Lebensmitteleinzelhandel beliefern, wo die Nachfrage enorm gestiegen ist. Aber viele Wettbewerber, die bislang überwiegend Gastronomie und Co. versorgt haben, drücken nun ihre Produkte mit Kampfpreisen in den Einzelhandel. Das ist aber normaler Wettbewerb.

Gerade anfangs hat die Politik zur Besonnenheit beim Einkaufen gemahnt. Gleichzeitig gab es in Richtung Handel die Aufforderung, die lokale Landwirtschaft als Garant für volle Regale entsprechend zu berücksichtigen ...

Dr. Claassen: Die Deutsche Bundeskanzlerin und die Landwirtschaftsministerin haben Handel und Landwirte nach Berlin bestellt und in Richtung Handel appelliert, Lebensmittel nicht zu Tiefstpreisen anzubieten. Nahrungsmittel haben ihren Wert!

Müller: In der Umsetzung gibt es durchaus Gegensätze. Denken Sie an die großen Werbekampagnen, die der Handel in der Hochphase der Krise gefahren hat. Dort wurde den eigenen Mitarbeitern überschwänglich gedankt. Das ist durchaus verdient, aber ein Wort an die Landwirte, an die Industrie, welche für Nachschub in den Regalen sorgen, wäre durchaus angebracht gewesen. Das kam teilweise, aber leise im Vergleich. Denn ohne sie und ohne uns hätten die Kassiererinnen nichts zum Einscannen gehabt.

Trotzdem hatten die Verbraucher den Eindruck, bestimmte Güter könnten knapp werden und haben H-Milch und Nudeln gehamstert …

Müller: Wir hatten zu keiner Zeit einen Lieferengpass. Im Gegenteil: Wir haben unsere Lieferungen bei bestimmten Produkten binnen kürzester Zeit um bis zu 30 Prozent gesteigert. Das war eine enorme Herausforderung für Produktion und Logistik. Unsere Kunden wissen das zu schätzen und haben uns in dieser Zeit als äußerst zuverlässigen Lieferanten erlebt. Diese Leistung geht auf jeden einzelnen Mitarbeiter zurück, und dafür danke ich auch jedem einzelnen Mitarbeiter ausdrücklich!

Herausforderungen gab es aber nicht nur dort …

Dr. Claassen: Nein. Auch in den Service-Bereichen des DMK mussten wir schnell reagieren. So haben wir die Einführung von Microsoft Teams vorgezogen, damit wir zum Beispiel Videokonferenzen schneller umsetzen konnten. Für die Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiten, eine große Erleichterung. So waren wir in der Lage, weiter zusammen zu arbeiten, auch wenn wir uns nicht im Büro treffen konnten. Das Projekt One Finance zeigt, dass wir dadurch kaum an Tempo verloren haben.

Monatelang waren auch die Grenzen dicht und sind es zum Teil immer noch. Was bedeutet das für die Internationalisierung des Geschäfts?

Müller: Unser Engagement im Ausland werden wir weiter vorantreiben. Das gilt für unsere Kernmärkte Niederlande, Russland und China. Wichtig: Diese Länder sehen wir als eigenen Markt, den wir individuell vor Ort bedienen wollen. Wir arbeiten weiter daran, engere und bessere Verbindungen zwischen den einzelnen Standorten zu schaffen, voneinander zu lernen und Prozesse zu vereinheitlichen und zu vereinfachen. Diesen Weg gehen wir mit unserem Projekt MAXIMA in den Niederlanden, beim Ausbau unseres Geschäfts in Russland und auch bei unseren Aktivitäten in China.

Wann kehrt denn wieder das normale Leben in das DMK zurück?

Müller: Ich habe auf die Frage, wann wieder Ruhe einkehrt, einmal gesagt: Vermutlich nie. Wir leben in einem äußerst agilen Umfeld, Themen wie jetzt Corona verschärfen das noch mal. Von uns verlangt das, genauso agil zu sein, Veränderungen zu erkennen und zu managen. Wir sehen immer wieder, dass die Corona-Pandemie keinesfalls auf dem Rückzug ist. Im Gegenteil. Wir alle haben in den letzten Monaten eine Menge gelernt. Mit diesem Wissen und der notwendigen Vorsicht werden wir auch weiter vorgehen.

Was war für Sie persönlich die wichtigste Erfahrung in den letzten Wochen?

Dr. Claassen: Die Flexibilität und Kreativität unserer Mitarbeiter haben mich begeistert.

Müller: Wir sprechen oft über unsere Unternehmensleitlinien. In den vergangenen Wochen hat man gespürt, dass wir sie auch tatsächlich leben: Unternehmerisch, fair und innovativ.

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