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Milchwirtschaft

„Es fehlt uns an Planungssicherheit“

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09.12.2020
Das „WIR“ bei DMK: Das sind die Mitarbeiter und die Landwirte. Im Jahr der Pandemie stehen gerade sie vor besonderen Herausforderungen. Einige DMK-Milchbauern schildern hier ihre Lage

Jochen Wenzel

Oehnaland Agrargesellschaft mbH, Niedergörsdorf, Brandenburg

„Nach zwei Trockenjahren waren wir 2020 wieder in der Lage bei der Grundfutterproduktion Reserven anzulegen. Sorgen bereiten uns jedoch unter anderem die Folgen aus der Corona-Pandemie. Die Ausbildungsbedingungen leiden sehr stark unter den Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln. Als positiv empfinde ich die klaren Absprachen und Bestimmungen in Zusammenhang mit den Hygienemaßnahmen zur Milchabholung durch die Molkerei. Ich finde, dass die Entwicklung und der Umbau der DMK Group auf der virtuellen Vertreterversammlung transparent und schlüssig dargestellt wurden. Dafür noch einmal herzlichen Dank!

Ich bin der Meinung, dass wir langfristig mit diesem Weg genau richtig liegen. Nicht zufrieden bin ich mit der Entwicklung des Milchpreises. Seit Jahren haben wir nur kurze Perioden eines auskömmlichen Grundpreises bei der Milch. Der Weg zur Festpreisabsicherung gibt uns da eine gute Möglichkeit in der Milchpreisplanung, zeigt uns aber auch die Grenzen beim Milchpreis frühzeitig auf. Von der Politik erwarte ich verlässliche Aussagen zu den Anforderungen zur Haltung und Betreuung der Tiere. Dem Verbraucher muss klar werden, dass er lokal die Möglichkeit hat, die hohen Standards der Lebensmittelproduktion vor Ort zu kontrollieren und zu hinterfragen. Eine Verlagerung der Produktion nach dem Prinzip „aus den Augen aus dem Sinn“ unterbricht die Wertschöpfungskette in Deutschland und hilft uns beim Erreichen der globalen Klimaziele nicht weiter.“

„Ich finde, dass die Entwicklung und der Umbau der DMK Group auf der virtuellen Vertreterversammlung transparent und schlüssig dargestellt wurden. Dafür noch einmal herzlichen Dank! Ich bin der Meinung, dass wir langfristig mit diesem Weg genau richtig liegen.“

Jochen Wenzel, Oehnaland Agrargesellschaft mbH, Niedergörsdorf, Brandenburg

Stefan Jacobsen

Handewitt, Schleswig-Holstein

„Es nützt nichts, durch einen sehr hohen Betriebseinsatz auf der Kostenseite gut zu sein, auf der Erlösseite aber den Großteil aufgrund eines schlechteren Milchpreises wieder einzubüßen. Ich habe den Anspruch an meine Molkerei, dass wir schnellstmöglich das obere Drittel der Auszahlungsleistung im 11er-Vergleich erreichen. Wir brauchen mehr Milchgeld auf den Betrieben, um in Zukunft den Anforderungen, die von allen Seiten an uns herangetragen werden, gerecht werden zu können.“

„Wir brauchen mehr Milchgeld auf den Betrieben, um in Zukunft den Anforderungen, die von allen Seiten an uns herangetragen werden, gerecht werden zu können.“

Stefan Jacobsen, Handewitt, Schleswig-Holstein

Dieter Beuckmann

Betriebsleiter aus Welver – Kreis Soest / NRW.

„Aktuell ist es oft so, dass die Liebe zu den Kühen zum Weitermachen anspornt – nicht die finanzielle, wirtschaftliche Situation der Milcherzeugung. Ohne die Leidensfähigkeit der Milcherzeuger hätten schon deutlich mehr Betriebe ihre Hoftore geschlossen. Es fehlt einfach an Planungssicherheit: Hohe Investitionssummen in Umweltauflagen und artgerechte Tierhaltung werden zwar gefordert, kosten aber viel Geld. Auf den immer wieder versprochenen besseren Auszahlungspreis warten wir schon seit vielen Jahren vergeblich. Dies hat viel Vertrauen zerstört.“

„Es fehlt einfach an Planungssicherheit: Hohe Investitionssummen in Umweltauflagen und artgerechte Tierhaltung werden zwar gefordert, kosten aber viel Geld."

Dieter Beuckmann, Betriebsleiter aus Welver – Kreis Soest / NRW.

Carsten Wist

Klaus und Carsten Wist GbR, Wischhafen / Elbe-Weser

„Wir Milchviehhalter müssen für unsere Mitarbeiter einen angemessenen Stundenlohn erwirtschaften! Bei der momentanen Marktlage ist das nicht zu erreichen. Während der Milchpreis auf dem Niveau von vor 40 Jahren verharrt, steigen die Kosten in allen Bereichen enorm. Zusätzlich fehlt uns eine Perspektive für die Zukunft. Das unterscheidet die aktuelle Krise von vorherigen. Es reicht als Landwirt nicht mehr aus, „durchschnittlich“ zu sein. Unternehmensziel muss sein, zu den 25 Prozent der besten Auszahler zu gehören.“

„Es reicht als Landwirt nicht mehr aus, „durchschnittlich“ zu sein. Unternehmensziel muss sein, zu den 25 Prozent der besten Auszahler zu gehören.“

Carsten Wist, Klaus und Carsten Wist GbR, Wischhafen / Elbe-Weser

Steffen Kiesekam

Bramsche-Epe, Weser-Ems

„Die Dürrejahre 2018 und 2019 haben zu höheren Beschaffungskosten im Bereich Grund- und Ergänzungsfutter geführt. Zudem belastet die Stagnierung der Milchauszahlungspreise bei gleichzeitig deutlich steigenden Produktionskosten. Kostensteigerungen können nur teilweise durch höhere Produktivität aufgefangen werden. Um sie einigermaßen abzudecken, ist eine deutliche Milchpreissteigerung dringend notwendig. Zunehmend belastet auch der Dialog mit der Bevölkerung. Verbraucher haben kaum noch Verständnis für die geleistete Arbeit der Landwirte.“

„Die Dürrejahre 2018 und 2019 haben zu höheren Beschaffungskosten im Bereich Grund- und Ergänzungsfutter geführt. Zudem belastet die Stagnierung der Milchauszahlungspreise bei gleichzeitig deutlich steigenden Produktionskosten."

Steffen Kiesekamp, Bramsche-Epe, Weser-Ems.

Karin Heinichen

Agrarunternehmen Steigra eG, Sachsen-Anhalt

„Grundsätzlich stehen wir zum Genossenschaftsmodell und auch in dem neu eingeführten Festpreismodell sehen wir eine Chance für DMK. Das Unternehmen kann damit seine Attraktivität gegenüber den Wettbewerbern verbessern. Dennoch stehen wir weiterhin vor großen Herausforderungen: Wir haben in unserer Region starke Probleme mit Schadnagern im Grünland und der Luzerne. Aber auch unterdurchschnittliche Erträge beim Getreide und Grundfutter mit mangelnder Qualität belasten uns. Wir brauchen einen Milchpreis von mindestens 35 Cent, um unseren Betrieb wirtschaftlich führen zu können.“

„Grundsätzlich stehen wir zum Genossenschaftsmodell und auch in dem neu eingeführten Festpreismodell sehen wir eine Chance für DMK."

Karin Heinichen, Agrarunternehmen Steigra eG, Sachsen-Anhalt.

Eindrücke der Regionalleiter

Clemens Niederwestberg
Weser-Ems

„In meiner Region gibt es einen hohen Wettbewerbsdruck. Die Landwirte wollen nun endlich sehen, dass die Investitionen bei DMK die Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft sichern.“

Helmut Enewaldsen
Schleswig-Holstein

„Gespräche über geplante Hofaufgaben nehmen deutlich zu. Der zusätzliche Kostendruck durch politische Auflagen, Umweltmaßnahmen und der hohe bürokratische Aufwand sind die entscheidenden Kriterien für die Aufgabe der Milchviehhaltung.“

Detlev Bosse
Elbe-Weser

„Dürrejahre, Schadnagerfraß, Gülleverordnung, Investitionen in Dungund Silolagerstätten sowie das Milchpreisniveau beschreiben das schwierige Umfeld, in dem sich die Landwirte derzeit befinden.“

Jens Ruge
Mecklenburg-Vorpommern/ Brandenburg

„Aufgrund der erhöhten Niederschläge in diesem Jahr stellt sich die Futtersituation besser dar. Es konnten neue Lieferanten in der Region aufgenommen werden. Die Einführung des Festpreismodells wird begrüßt.“

Julia Ridder
Nordrhein-Westfalen/ Süd-Niedersachsen

„Die Liquiditätslage ist wahnsinnig angespannt. Futtermangel und -zukauf, Pachtpreise, Kosten für Arbeitskräfte, steigende Auflagen, aber auch politischer und gesellschaftlicher Druck belasten die Landwirte.“

Kerstin Grabarse
Thüringen/ SachsenAnhalt / Sachsen / Hessen

„Betriebe sind nicht mehr bereit, aus dem Marktfruchtbau die Milchproduktion zu stützen. Dies führt teils zur Stilllegung von Milchviehanlagen. Viele Betriebe haben investiert, haben aber Probleme ihren Kapitaldienst zu leisten.“

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