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Milchwirtschaft

„Man interessiert sich wieder füreinander“

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21.07.2021
DMK-Landwirt Thomas Andresen über Probleme – und Chancen in der Branche.

Welche Herausforderungen kommen in diesem Jahr auf die Landwirte zu?

Zusätzlich zu den Problemen, die sich aus der verschärften Düngeverordnung und den Wetterkapriolen der letzten Jahre ergeben, wird 2021 zum einen geprägt sein durch die Folgen der Coronapandemie, aber auch durch steigende Kosten in allen Wirtschaftsbereichen. Somit wird nicht nur der politische, sondern auch der wirtschaftliche Druck auf die bäuerlichen Betriebe weiter zunehmen.

Wie gehen Sie selbst mit den neuen Auflagen durch die EU um?

Da unser Betrieb nicht im roten Gebiet liegt, halten sich die betrieblichen Einschränkungen in Grenzen, allerdings kommt ein Mehraufwand bei den Dokumentationen auf uns zu. Abzuwarten bleibt, was die EU in Zukunft mit Farm-to-Fork und GreenDeal für uns bereithält.

Was sind Ihre Hoffnungen und Wünsche für dieses Jahr?

Wie wohl alle von uns, hoffe auch ich, dass wir die Coronapandemie schnellstmöglich hinter uns lassen können. Betrieblich wünsche ich mir, dass es dem DMK möglich ist, einen angemessenen und auskömmlichen Milchpreis zu erwirtschaften und an die Lieferanten auszuzahlen.

Wie müsste eine ideale Landwirtschaft aussehen, die Verbraucher, Molkereien, LEH und Landwirte gleichermaßen zufriedenstellt?

Die Annäherung zwischen Verbrauchern und Landwirtschaft ist bereits auf einem guten Weg: Man interessiert sich wieder füreinander. Wenn es jetzt noch gelingt, dem LEH klarzumachen, dass er nicht nur eine Verantwortung für niedrige Verbraucherpreise trägt, sondern auch für die regionale Landwirtschaft, und wenn den Molkereigenossenschaften wieder klar wird, dass das oberste Gebot sein muss, seinen Mitgliedern und Lieferanten einen Milchpreis auszuzahlen, mit dem sich Perspektiven entwickeln lassen, wäre schon viel gewonnen.

Was sind die brennendsten Aufgaben für die Landwirte in diesem Jahr?

Überleben! Bei vielen Milcherzeugern geht es dieses Jahr ums nackte Überleben.

Welche Veränderungen erleben Sie bei Ihrer täglichen Arbeit auf dem Hof? Bezüglich Klima, Politik, Verbraucher, Auflagen …

Da Landwirtschaft sich in einem ständigen Wandel befindet, sind wir es gewohnt, uns kurzfristig an neue Gegebenheiten anzupassen, allerdings ist der Druck, der momentan auf der Branche lastet, nur noch schwer zu ertragen. Die Kombination aus neuen Auflagen und steigenden Kosten bei gleichzeitig niedrigen Einnahmen, sorgt dafür, dass man an die Grenze der Belastbarkeit kommt. Gerade in solchen Zeiten tut es gut zu spüren, dass ein Großteil der Verbraucher hinter der heimischen Landwirtschaft steht. Besonders gezeigt hat sich dies am Rande der Bauerndemos 2019.

Die Stimme – Landwirt Thomas Andresen macht sich für die Belange der Bauern stark. Auf seinem Hof in Schleswig-Holstein spürt auch er die Herausforderungen in seiner Branche.

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