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Nachhaltigkeit

Biodiversität – eine Chance für die Landwirtschaft

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08.07.2020
Gemeinsames Pilotprojekt von DMK und Bodensee-Stiftung mit zehn Praxisbetrieben erfolgreich abgeschlossen

Biodiversität umfasst alle Lebewesen in ihren verschiedenen Lebensräumen: im Boden, im Wasser und auf dem Land. Diese biologische Vielfalt sichert lebenswichtige Dienstleistungen der Natur. Im Rahmen eines DMK-Pilotprojekts wurden positive und negative Hotspots identifiziert, die große Potenziale für die Milcherzeugung offenbaren. Eines vorweg: Die „gute fachliche Praxis“, die Landwirte aus ihrer täglichen Arbeit mitbringen, kommt der Biodiversität auf den Betrieben bereits heute zu Gute.

Biodiversität ist keine Einbahnstraße, sondern eine Chance für die Landwirtschaft, neue Wege zu beschreiten und sich mit Themen rund um die Artenvielfalt auseinanderzusetzen. Bereits kleine, gezielte Maßnahmen sind wichtige Mosaiksteinchen für das große Gesamtbild. Im Auftrag der DMK besuchte die Bodensee-Stiftung, eine private Umwelt- und Naturschutzorganisation, die sich mit Themen wie Landwirtschaft und Klimaschutz intensiv auseinandersetzt, zehn Pilotbetriebe und untersuchte mit Hilfe des eigens entwickelten Biodiversity Performance Tool (BPT) den aktuellen Biodiversitäts-Stand. Das BPT erfasst anhand von 78 Indikatoren die Stärken und Schwächen der Betriebe. Dabei wird jeder Indikator anhand von fünf Fragen in einem Ampelsystem bewertet. Ist ein Indikator rot, weist der Betrieb bei diesem Thema Defizite auf. Grün ist ein Hinweis für einen positiven Einfluss auf Biodiversität. Diese Bestandsaufnahme unterstützt den Landwirt bei der Auswahl von Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität.

VORTEILE GENTECHNIKFREIER FÜTTERUNG

Gute Ergebnisse erzielten die Betriebe unter anderem im Bereich GVO-freie Milcherzeugung. Eine gentechnikfreie Fütterung mindert nicht nur den Druck auf die Regenwälder und andere Ökosysteme, sondern unterstützt auch die regionale Futtermittelproduktion. Aktuell nehmen über die Hälfte der DMK-Landwirte am „Ohne Gentechnik“- Programm teil. Ebenfalls positiv bewertet die BodenseeStiftung den Anbau von Zwischenfrüchten auf den Betrieben. Sie versorgen den Boden in der sonst vegetationslosen Zeit mit organischer Substanz und tragen zum Umwelt-, Boden- und Gewässerschutz bei, da sie unerwünschte Effekte wie Bodenerosion und Nährstoffaustrag vermindern. Auch die Nachverfolgbarkeit der Betriebsabläufe, wie die detaillierte Dokumentation von Düngung und Pflanzenschutzmaßnahmen, wurde positiv bewertet. Hierzu zählt auch die Lagerung und der Umgang mit gefährlichen Substanzen erhielt die Einstufung „gut“.

ARTENVIELFALT ALS CHANCE

Entwicklungspotenzial ermittelte das Projekt insbesondere im Bereich Artenvielfalt. Lediglich einer der Betriebe baut zur Zeit Leguminosen an. Sie gehören zu einer der artenreichsten Pflanzenfamilien überhaupt und besitzen die Fähigkeit, Stickstoff aus der Luft zu fixieren. Das senkt den Bedarf an mineralischem Stickstoff und CO2 -Emissionen. Insgesamt empfiehlt sich auf Basis der Erhebung der Einsatz von Untersaaten. Wichtig sei es, Lebensräume für Fauna und Flora – darunter auch für gefährdete Arten – zu schaffen und die Artenvielfalt dadurch zu stärken.

Wichtig für die Vielfalt: Maisuntersaat

MASSNAHMEN FÜR MILCHVIEHBETRIEBE

Der Austausch mit der Bodensee-Stiftung hat neben den bereits ergriffenen Maßnahmen wirkungsvolle Schritte aufgezeigt, die zur Verbesserung der Biodiversität nachhaltig beitragen können. So könnte es eine Option sein, nasse Stellen oder Feldspitzen (Keile) unberührt zu lassen, da ungenutzte Grünlandteile wichtige Rückzugsräume für Niederwild, Vögel und Insekten sind. Vor allem auf großen Flächen könnten Randbereiche / Spitzen ausgespart werden. Optional könnten hier auch mehrjährige Blühstreifen etabliert werden. Diese Blühstreifen eignen sich, um große Schläge zu unterteilen. Zudem bieten sie einen Lebensraum und eine Nahrungsgrundlage für Insekten und Wildtiere. Des Weiteren können Leguminosen stärker in Grünlandbestände integriert werden. Klee zum Beispiel ist eine wertvolle Eiweißkomponente, fördert das Bodengefüge und fixiert Stickstoff. Im Gegenzug wird die Pflege der Grünlandnarbe etwas aufwändiger. Auch im Bereich der Untersaaten lassen sich Ziele des Klimaschutzes und der Biodiversität mit Zielen des Pflanzenbaus vereinbaren. Eine Untersaat im Mais verbessert beispielsweise das Bodengefüge und vermeidet Erosionen. Das kann auch eine Antwort auf Dürreperioden und Futterknappheit sein. Dem höheren Aufwand stehen viele Vorteile gegenüber.

BLICK IN DIE ZUKUNFT

Die abgeschlossene Pilotstudie zeigt, dass bereits gut etablierte Maßnahmen ihren Teil zur Förderung der Biodiversität beitragen. Teilbereiche der landwirtschaftlichen Produktion sind jedoch verbesserungswürdig, wobei immer die Individualität eines jeden Betriebes berücksichtigt werden muss. In Zukunft liegt der Schwerpunkt darin, ungenutzte Möglichkeiten zu erkennen und gemeinsame Ziele von Landwirtschaft und Biodiversität zu formulieren, um Synergieeffekte sinnvoll zu nutzen.

Konkrete Maßnahmen zur Erhöhung der Biodiversität:

     

  • Leguminosen im Grünland
  •  Untersaat im Mais
  • Anlage/Erhalt von Ackerrandstreifen
  • Anlage von Blühstreifen
  • GVO-freie Fütterung
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