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Nachhaltigkeit

Klimaschutz als Chance — und nicht als Zwang

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08.04.2020
Klimaschutz und Biodiversität sind Begriffe, an denen man in der modernen Landwirtschaft nicht mehr vorbeikommt.

Bis 2030 will Deutschland den Treibhausgasausstoß um mindestens 55 Prozent verringern. Für dieses große Ziel hat die Bundesregierung das Klimaschutzgesetz auf den Weg gebracht. Die Schwerpunkte der Klimaschutzanstrengungen in der Landwirtschaft liegen zum einen darin, Emissionen zu mindern, zum anderen, Ressourcen effizienter einzusetzen und damit nachhaltiger zu produzieren. Es ist ein Gesetz, das sehr kontrovers diskutiert wird.

Den einen geht es nicht weit genug, während sich die anderen bevormundet fühlen. Dabei sind die Verbraucher über das Stadium hinaus, in dem sie Nachhaltigkeit und Klimaschutz nur bei Bio-Höfen erhalten. Sie erwarten mittlerweile auch von konventionellen Betrieben ein entsprechendes Bewusstsein. 

„Klimaschutz sollte von Seiten der Landwirtschaft noch viel stärker aktiv betrieben werden“, ist Eide Lübs überzeugt. Für den DMK-Landwirt aus dem niedersächsischen Padingbüttel hat Biodiversität schon seit langem einen großen Stellenwert. Auf seinem Betrieb an der Wurster Nordseeküste setzt er auf Artenvielfalt. Neben den für Ackerbau genutzten Flächen, entfallen in etwa zwei Hektar auf Blühstreifen, Wildacker und Obstbäume.

Mit einer Vermeidungsstrategie sei seinem Berufsstand nicht gedient, meint Eide Lübs. Vielmehr müssten die Landwirte von sich aus auf Nachhaltigkeit setzen. Anderenfalls würde es immer weitere Auflagen und Gesetze geben, die den Arbeitsalltag erschweren, ist er sich sicher. Mitgestalten statt lamentieren sei die Devise!

In vielen Fällen könne es sogar wirtschaftlich sinnvoll sein, einige Areale brach liegen zu lassen, da der Aufwand der Bewirtschaftung ungleich höher sei. „Viele Landwirte versuchen ständig, auf allen Flächen zu produzieren und lassen außer Acht, dass sie vom Gesetz her zu Hege und Pflege des Landes verpflichtet sind. Und wenn dadurch ein Beitrag zur Artenvielfalt geleistet werden kann – warum denn nicht?“

Manchmal kann es wirtschaftlich sinnvoll sein, Klein- und Restflächen nicht mehr zu bewirtschaften

Wichtig ist, dass das Engagement für Klimaschutz in den Betrieben auch honoriert wird. „Immer nur fordern, dass wir beispielsweise Blühstreifen anlegen und damit etwas für die heimische Insektenvielfalt tun, aber gleichzeitig nicht bereit sein, faire Preise für Lebensmittel zu zahlen, das kann es definitiv nicht sein“, so Lübs. Und auch die ständig größer werdende Zahl an Auflagen für die Landwirtschaft sieht er kritisch. Da sei es ein nur allzu menschlicher Reflex, dass häufig mit Abwehr und Protest reagiert werde.

Oftmals stehe auch die Bürokratie einer schnellen, praktischen Umsetzung im Wege, wenn beispielsweise zunächst genaue Pläne gezeichnet werden müssen, wo auf einem Betrieb sich für den Klimaschutz genutzte Flächen befinden, anstatt einfach die Angabe einer Flächengröße zu akzeptieren. 

Auch könne es nicht sein, dass man für aktiven Klimaschutz quasi noch bestraft werde, wenn brach liegende Flächen bei gewährten Fördergeldern nicht berücksichtigt werden und aus der Gesamtfläche herausgerechnet werden. „Da braucht sich dann niemand wirklich wundern, dass viele Betriebe sich mit dem Thema nicht über die gesetzlichen Vorgaben hinaus beschäftigen. Aber das bringt am Ende ja keiner Seite etwas“, sagt Eide Lübs.

Lübs: „Es ist doch ganz einfach: Druck und Zwang erzeugen nur Gegendruck und Protest. Bei Anreizen liegt es an jedem selbst, ob er diese für sich nutzen möchte und bereit ist, dafür etwas zu tun. Es ist wichtig, Klimaschutz als Chance und nicht als Zwang zu verstehen.“

„Rein punktuelle Projekte sind insgesamt wenig hilfreich. Man muss schon die Bereitschaft mitbringen, voneinander zu lernen und sich gemeinsam weiterzuentwickeln“, führt der Landwirt aus. Er begrüßt daher auch den DMK-Ansatz Klimaschutz und Biodiversität zukünftig in das eigene Milkmaster-Programm (Seite 53) integrieren zu wollen und damit einen Anreiz zu schaffen, diese Themen als Molkerei zu treiben. „Damit signalisieren wir, dass wir aktiv etwas entwickeln wollen und nicht immer nur die Getriebenen des Handels und der Endverbraucher sind. Ein Weg, der schlussendlich jedem Mitglied unserer Genossenschaft zugutekommt.“

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