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Interview mit Thomas Andresen

Zum Thema: Herausforderung der Landwirtschaft durch Corona

Thomas Andresen ist Landwirt in vierter Generation. Das DMK-Mitglied ist über seine Social-Media-Kanäle zu einer wichtigen Stimme der Landwirte geworden.

Herr Andresen, was sind Ihre Gedanken zum Jahr 2020?

Zum einen, natürlich wahrscheinlich wie bei allen anderen, die Corona-Krise, die uns ja auch mit voller Wucht getroffen hat und 2020 entscheidend geprägt hat. Uns Landwirte, wie alle anderen auch, wir mussten auf den Höfen auch aufpassen, dass keine Infektionen auftreten, dass alle sich schützen vor Ansteckungen, weil wenn da etwas reingekommen wäre, das wäre das natürlich fatal gewesen. Aber die Pandemie ist nur ein zusätzliches Problem. Auf der Agrarwirtschaft liegt enormer Druck. Viele landwirtschaftliche Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand und sind wirtschaftlich am Limit und deswegen ist es auch umso wichtiger, dass die DMK Group in diesem Umfeld weiter entschlossen agiert, um uns Landwirten auch ein auskömmliches Milchgeld zu erwirtschaften. Zusätzlich dazu muss natürlich auch in der gesamten Milchwirtschaftskette umgedacht werden. Also nicht nur bei uns und der Molkerei, sondern auch beim Handel und beim Verbraucher.

Welchen Herausforderungen müssen sich die Landwirte stellen?

Corona habe ich ja bereits gesagt. Dann ist im letzten Jahr, wie das Jahr davor auch schon, das Wetter ein riesen Thema gewesen, geprägt von Dürre in ganz vielen Regionen. Und zusätzlich zu den sowieso schon kritischen Punkten, ist dennoch die neue Düngemittelverordnung in Kraft getreten. Die Verordnung hat sich für die Landwirtschaft zu einem riesigen Reizthema entwickelt und hat ja in der Folge dann auch dazu geführt, dass wir die Bauerndemonstrationen hatten, anfangs in vielen kleineren Städten, anschließend dann in Berlin. Auch dann noch viele kleinere Demonstrationen, die hinterher noch stattgefunden haben. Ich glaube da würde ein lockerer Umgang mit Reglementierungen seitens der Politik eher dazu beitragen, dass wir freundlichere Maßnahmen umgesetzt kriegen, als immer nur das Ordnungsrecht. Kooperation statt Ordnungsrecht müsste da eigentlich die Devise lauten. Das sind so die Gründe, warum wir uns als Branche eigentlich viel stärker Gehör verschaffen müssen, weil wir eben an vielen Baustellen den Druck spüren und darüber auch reden müssen. Mit Politik, Handel und nicht zuletzt auch mit den Verbrauchern.

Wie gestalten Sie diesen Dialog genau?

Also wir versuchen natürlich alle uns zur Verfügung stehenden Kommunikationskanäle zu nutzen. Dabei geht es uns eigentlich nicht um Krawall, sondern im Gegenteil: Wir wollen ja den Dialog, die Bereitschaft zum Dialog, zeigen und erklären wie ernst die Lage für uns ist. So halten wir es mit dem LEH, finden da deutliche Worte, auch bei der Politik. Und was den Verbraucher angeht, habe ich den Eindruck, dass wir für die breite Bevölkerung eigentlich gesichtslos sind. Die Menschen wünschen sich Nachhaltigkeit, Biodiversität, Klimaverträglichkeit, Tierwohl, verbinden die Milchprodukte im Supermarkt aber selten mit einem Gesicht, mit einem Landwirt, den sie sehen können. Sehen natürlich auch nicht das Herzblut und die Leidenschaft, die wir für die Tiere, die Natur, die Produkte anbringen. Dabei wollen wir eigentlich das gleiche, was auch die Verbraucher wollen; und das transparent und authentisch rüberzubringen, das ist so ein Punkt, den ich mir auch so mit auf die Fahne geschrieben habe und den ich gerne nach vorne bringen möchte.

Konnten Sie dem auch in 2020 nachgehen?

Aufgrund von Corona funktioniert das auf den Höfen natürlich nicht. Wir haben sonst auch immer mal gerne Schulklasse auf unserem Hof gehabt, und das war natürlich nicht möglich. Aber ich versuche natürlich schon über die sozialen Medien, über Pressegeschichten, wenn man mal irgendwelche Anfragen hat, das Landleben und unsere Arbeit so authentisch wie möglich an den Verbraucher ranzukriegen und dafür zu sorgen, dass Landwirtschaft ein Gesicht kriegt, dass die Leute sehen „guck mal, dass diese Bauernhofidylle, die oft ja als Klischee hingestellt wird, die gibt es so tatsächlich, die sieht zwar in der Praxis, und wenn man jeden Tag damit arbeitet ein bisschen anders aus, aber die gibt’s tatsächlich und das ungeschönt, vielleicht auch mal mit den Problemen, die wir haben, rauszubringen. Das gelingt einem gerade übers Internet als Blogger eigentlich schon ganz gut. Aber auch die Arbeit als Blogger kann natürlich den direkten Kontakt nicht ersetzen und ich freue mich schon darauf, dass wenn Corona dann irgendwann mal vorbei ist, Schulklassen, Kindergartengruppen oder Landfrauen, Gruppen, Firmen, was auch immer, hier begrüßen zu dürfen und über den Hof führen können und mit Ihnen in den direkten Dialog und Austausch kommen können.

Nur noch eine Frage zum Schluss: Was war für Sie die wichtigste Erfahrung in 2020?

2020 war in jeder Hinsicht ein besonderes Jahr und wird mir, wie wahrscheinlich allen anderen auch, noch lange in Erinnerung bleiben. Aber vor allem der Austausch mit den Landwirten, der hat mich schon ziemlich berührt und motiviert und dafür gesorgt, dass ich mich auch weiter für die Belange der Landwirtschaft einsetzen möchte. Zusätzlich dazu bin ich unwahrscheinlich dankbar, dass ich die ganze Zeit eigentlich meine Arbeit machen durfte, im Gegensatz zu vielen anderen Menschen in diesem Land, das sehe ich als echtes Privileg. Das sind so die Punkte glaube ich, wo ich 2020 viel drüber nachgedacht habe und, die mich viel beschäftigt haben.