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Interview mit Philipp Hildebrandt

Zum Thema: Einkaufsverhalten/Marktveränderung durch Corona

Philipp Hildebrandt hat als Head of Insight Management bei der DMK Group die Märkte und regulatorischen Herausforderungen im Blick.

Niemand weiß, wie die Zukunft wirklich aussieht. Wie will DMK die Herausforderung von morgen meistern?

Wir spüren schon lange, dass sich etwas verändern muss und erleben ein schwieriges Marktumfeld: Auf der einen Seite wirtschaftliche Zwänge und auf der anderen Seite gesellschaftlichen Druck. Die Welt verändert sich rasant und das hat einen wesentlichen Einfluss auf unser Unternehmen und unsere Geschäftsfelder. Aus genau diesem Grund haben wir das Leitbild 2030 entwickelt.

Ende 2019 konnten wir den großen Umbau der DMK Group abschließen und viele Geschäftsbereiche konsolidieren. Wir haben uns damit agiler und flexibler aufgestellt, und spüren, dass der Wandel nun Fahrt aufnimmt.

 

Hat Corona daran etwas maßgeblich geändert?

Ja und nein. Das Jahr 2020 war ein Jahr radikaler Veränderungen. Das zeigt auch das aktuelle Konsumentenverhalten. Mit der Krise haben die Menschen begonnen, anders einzukaufen. Wo sie früher öfter in den Supermarkt gingen, kümmern sie sich aktuell mehr um Wocheneinkäufe, bei denen sie dafür aber auch mehr kaufen. Wir verbringen alle mehr Zeit in unserem Zuhause und kochen daher auch mehr selbst. Das heißt aber nicht, dass die Ansprüche der Menschen an ein Lebensmittel nachgelassen hätten. Im Gegenteil, sie achten heute noch mehr auf Inhaltsstoffe und Herstellungsmethoden, da sie sich etwas Gutes tun und umweltbewusst handeln wollen. Zusätzlich werden Trend-Konzepte, die sich genau in diesem Rahmen befinden, immer stärker von jüngeren Generationen nachgefragt, sodass wir eine deutliche Verschiebung der Ausgaben beobachten können. Die Konsumentenanforderungen von morgen sind damit wertorientiert und dennoch individuell. Das können wir als Deutschlands größte Molkereigenossenschaft unmöglich ignorieren.

Wie begegnet DMK diesen neuen Ansprüchen der Konsumenten?

Indem wir ihre Wünsche und Bedürfnisse in die Entwicklung unserer eigenen Produkte direkt mit einbeziehen, angefangen bei der Reduktion von Zucker über neue Geschmacksvarianten bis hin zur Entwicklung von pflanzlichen Alternativen für klassische Milchprodukte. Dabei spielen natürlich auch Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit eine entscheidende Rolle. Wir wollen transparent sein was die Erzeugung unserer Milch, aber auch die Verarbeitung und die Vermarktung angeht, und implementieren neue Strategien, um alle Glieder entlang der Wertschöpfungskette so gut wie möglich aufzustellen. Deshalb haben wir uns u.a. entschieden, einen spezifischen Lieferantenkodex einzuführen. Dieser Kodex, auch „Supplier Code of Conduct“ genannt, enthält die sozialen und ökologischen Anforderungen an unsere Lieferanten und bezieht dabei Beteiligte entlang der vorgelagerten Wertschöpfungsstufen mit ein.

Und wie geht es nun weiter? Wohin führt der Weg der DMK?

Wir lassen uns von der Krise nicht aufhalten und beschäftigen uns weiter mit den zentralen Fragen: Wie werden wir in Zukunft alle satt? Und wie sieht der Protein-Mix der Zukunft aus? Oder aber auch: wie kann die Milchwirtschaft klimafreundlich werden? Welchen gesetzlichen Rahmen braucht es dafür?

So gesehen ist die Corona-Krise für uns Disruptor und Katalysator zugleich. Sie beschleunigt Veränderungen unseres Umfelds, die wir seit einigen Jahren genau beobachten.