Nach oben

Interview mit Karl Eismann und Thorsten Rodehüser

Zum Thema: Tiger Continous Improvement & Corona

Thorsten Rodehüser ist COO der Business Unit Private Label und für das Geschäft mit den Eigenmarken bei der DMK Group zuständig

Karl Eismann kümmert sich als Director Operations um die Produktion in den DMK-Werken, die unter der Leitung der Business Unit Private Label stehen.

Mit 2020 liegt ein aufregendes Jahr hinter uns. Wie steht es aktuell um die Herausforderungen in den Werken bei DMK? Welche Schwierigkeiten haben Ihnen die Corona-Krise bereitet?

T.R: Das Jahr war aufregend, spannend und wir haben viel gelernt, was es heißt in einer solchen Krise auf komplett neue Anforderungen und Herausforderungen zu reagieren. Corona hat uns regelrecht gezwungen unsere Zukunftsagenda noch schneller anzugehen. Insbesondere unsere Werke waren stark gefordert, weil es in der „Hochzeit“ von Corona zu unkontrollierten Hamsterkäufen im Lebensmittelhandel gekommen ist. Unsere Lieferfähigkeit wurde somit stark auf die Probe gestellt und hat uns alles abverlangt. Die Aufträge unserer Kunden haben sich von jetzt auf gleich in einigen Warengruppen verdoppelt und teilweise sogar verdreifacht! Das haben wir sehr gut hinbekommen und das war echtes Teamwork. Alle in der Wertschöpfungskette waren sehr fokussiert und haben ihr Bestes gegeben – mit Erfolg! Das ist eine tolle Leistung!

Die wirklichen Herausforderungen sind dann die Fragen, wie ich Tagesgeschäft und Weiterentwicklungen von Prozessen, Organisationen und Mitarbeitern unter einen Hut bringe bzw. auch synchronisiert und priorisiert bekomme. In unserem Geschäft ist die Leistungsfähigkeit unserer Produktionen extrem wichtig, da wir nur so unsere Wettbewerbsfähigkeit in den Märkten erhalten bzw. ausbauen können. Und diese Leistungsfähigkeit muss immer wieder auf den Prüfstand. Denn die Konsumenten und unsere Kunden stellen auch immer anspruchsvollere Anforderungen an uns und unsere Produkte. Fragen auf Themen wie Plastikreduzierung, neue Verpackungsformate, Milchalternativprodukte, Wasser- und Energieeinsparungen und vieles mehr müssen beantwortet werden. Und nicht zuletzt der harte Wettbewerb, der draußen tobt – wie sich sich vorstellen können – und durch Corona eher zugenommen hat, dem wir uns natürlich stellen müssen und werden.

Das verlangt uns allen viel ab und ich freue mich sehr zu sehen, mit wie viel Engagement und Leidenschaft die Kolleginnen und Kollegen an die Themen rangehen und diese umsetzen. Das zeigt und unterstreicht welche Vielfalt und welches Potential in unserer DMK steckt. Dieses Potential wollen wir noch mehr zum Vorschein bringen.

 

K.E.: Absolut! Im letzten Jahr haben wir viel durch agiles und ständig an die neue Situation anzupassendes Arbeiten erreicht. Das war quasi ein Veränderungsprozess am „offenen“ Herzen und das hat unser tägliches Arbeiten grundsätzlich geändert. Das Wort TEAM hat eine ganz andere Bedeutung erhalten. Wir mussten unsere Kommunikation komplett umstellen. In vielen Fällen virtuell, aber trotzdem reaktionsschnell.

Wie ist Ihnen das gelungen?

T.R: Wir haben uns die Frage gestellt, auf welchen Feldern wollen und müssen wir denn noch besser werden und welchen nachhaltigen Ansatz wählen wir? Wir sind schnell zu der Erkenntnis gelangt, dass das tägliche Handeln und Tun Schritt für Schritt verbessert werden sollte. Und zwar gilt das für das ganze Unternehmen und natürlich somit auch sehr stark für die Werke.

Im Jahr 2020 haben wir dann das „Programm Tiger“ mit den Bausteinen Sicherheit, Qualität, Kosten, Wertschöpfung, Moral und Umwelt gestartet. Wir schaffen in diesen Bereichen die notwendige Transparenz, bewerten den Status und geben uns Ziele, die regelmäßig nachverfolgt werden. Damit erzeugen wir eine Dynamik und eine Basis für unsere erfolgreiche Weiterentwicklung.

 

K.E.: Im Grunde geht es bei Tiger darum, sich jeden Tag kontinuierlich zu verbessern. Um das zu ermöglichen, müssen wir in den Austausch mit unseren Mitarbeitern gehen: Von der Zielsetzung bis hin zur Zielerreichung. Unsere Mitarbeiter sind dabei das größte Kapital, denn sie liefern die kleinen, aber auch die innovativen Ideen, jeden Tag, ob am Shopfloor oder in crossfunktionalen Projekten.

Und so gestalten wir alle die Zukunft und Vision der DMK mit. Dafür steht unser Programm „Tiger“ – hungrig nach ständiger Verbesserung, um gemeinsam an unserer Wettbewerbsfähigkeit zu arbeiten. Und das Gute ist – das entspricht einfach dem Grundgedanken einer jeden Genossenschaft – „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele zusammen“ -

Und wie setzen Sie dieses Prinzip in ihrer BU konkret um? Können Sie uns darüber ein wenig mehr erzählen?

K.E.: Wenn wir allein auf unsere BU schauen, dann sehen wir sehr großes Potential zur ständigen Verbesserung. Wir haben uns daher für die oben genannten Bausteine entschieden, an der wir uns mit unserer täglichen Arbeit orientieren.

Ich versuche Ihnen das mal an einem Beispiel zu erläutern. Wir haben in 2020 in unserem Werk in Zeven ein crossfunktionales (oder teamübergreifendes) Projekt gestartet, um die Potentiale einer Produktkategorie zu betrachten. Dabei haben wir uns nicht nur auf den Bereich der Produktion, sondern uns entlang der Wertschöpfungskette, vom Rohstoff bis zum Kunden konzentriert. Jeder Bereich, ob aus der Landwirtschaft oder Marketing, Produktion oder Vertrieb, Einkauf oder Qualitätswesen, haben in diesem Projekt ihre Erfahrungen eingebracht und Potentiale für die Verbesserungen aufgezeichnet. Die Ergebnisse waren erstaunlich. Das Team hat so das Silodenken abgelegt und ein gemeinsames Verständnis für ein gemeinsames Ziel entwickelt. Es spornt mich an und motiviert mich jeden Tag, für diese gemeinsame Sache zu arbeiten.

 

T.R.: Das Beispiel Zeven zeigt plakativ und deutlich, was möglich ist, wenn man Menschen zusammenbringt. Das Tagesgeschäft dominiert in vielen Funktionen und Bereichen das Geschehen und lässt wenig Raum für Kreativität. Wir brauchen allerdings diese Initiativen, damit wir uns immer wieder hinterfragen und den Status Quo in Frage stellen. Nur so können wir besser werden. Und es funktioniert. Menschen aus den unterschiedlichsten Funktionen sprechen über Verbesserungen und machen tolle Vorschläge. Das bestätigt uns und spornt uns an, diesen eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

Ein tolles Konzept. Gibt es denn eine besondere Erfahrung, die Sie in 2020 gesammelt haben?

K.E.: Wie bereits erwähnt, hat mich das Engagement in der DMK Group extrem positiv überrascht. Das ist ein deutliches Signal, Menschen machen den Unterschied. Wenn wir das weiter fordern und fördern und ständig hungrig nach Verbesserung sind, dann ist „Tiger“ für uns alle der richtige Weg.

 

T.R.: Ich denke vieles wurde schon gesagt. Für mich persönlich war es nochmal wichtig zu sehen und zu erfahren, wie wir als Unternehmen damit umgehen. Brauchen wir das wirklich? Was ist denn meine Rolle und meine Verantwortung in dem Tiger-Programm?

Ich denke JEDER in der DMK kann etwas zu unserer Wettbewerbsfähigkeit beitragen und richtig anfassbar wird es durch gute Beispiele und die wir mittlerweile. Ein toller „Nebeneffekt“ war auch, dass das crossfunktionale Team besser verstanden hat, was die Märkte und Kunden von uns erwarten. Ohne eine starke Kundenorientierung wird es sicherlich nicht gehen!

Zudem schärft es unser aller Sinne für Ressourcen und dem verantwortungsvollen Umgang damit, sei es bei dem Thema Umwelt aber auch Mensch. Ich denke mit Tiger haben wir die richtige Antwort gefunden.