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Interview mit Klaus Landwehr

Zum Thema: Kopernikus (Synergie)

Als Head of Energy Management sucht Klaus Landwehr kontinuierlich nach neuen Möglichkeiten, um die Energieversorgung der DMK Group effizienter zu gestalten.

Hallo Herr Landwehr, erzählen Sie uns doch ein bisschen über Ihre Arbeit. Was passiert im Bereich „Energy Management“?

Sie müssen sich das so vorstellen: Die Verarbeitung von Milchprodukten hat ganz spezifische Anforderungen, besonders wenn es um Erhitzungs- und Kühlungsprozesse geht. Um also beispielsweise eine neue Joghurt- oder Eissorte von höchster Qualität zu produzieren, müssen bestimmte thermische Arbeitsschritte sehr genau eingehalten werden. Dabei verbrauchen wir notwendigerweise Ressourcen wie Strom, Gas oder Wärme.

Daher beschäftigen wir – also mein Team und ich mit den verantwortlichen am Standort – uns vor allem mit dem Energie- und Ressourcenverbrauch. Dazu prüfen wir die technischen Möglichkeiten in den Anlagen und drehen im Anschluss an den richtigen Stellschrauben, damit die gesamte Produktion der DMK Group sich in Sachen Nachhaltigkeit weiter zukunftsfähig aufstellt.

 

Das klingt nach einer ambitionierten Aufgabe.

Ist es auch. Aus diesem Grund beteiligt sich DMK u.a. schon seit einigen Jahren an den Kopernikus-Projekten der Bundesregierung. Hierzu gehört auch das Teilprojekt „SynErgie“. Hier geht es vor allem darum, aus energieintensiven Industrieprozessen Möglichkeiten zur Flexibilisierung zu generieren.

Was bedeutet das genau?

Grob gesagt geht es darum, den Energiebedarf der Industrie an die verfügbaren Strommengen aus erneuerbaren Energien anzupassen. Denn die sind nicht immer in gleicher Menge verfügbar. Sonnen- und Windenergie haben ganz natürliche Schwankungen, die wir also in der Zukunft immer stärker mit einberechnen müssen, wenn wir in Deutschland bis 2050 größtenteils Strom aus erneuerbaren Energien beziehen wollen. Wir untersuchen also, was wir von unserer Seite tun können, um diese Schwankung auszugleichen – zum Beispiel in dem wir unseren Stromverbrauch zu bestimmten Zeiten bewusst heben oder senken.

Wie genau gehen Sie da vor? Nennen Sie doch gern ein Beispiel.

Im Jahr 2020 haben wir uns im Rahmen des „SynEnrgie“-Projektes unter anderem intensiv mit den Kältemaschinen an den DMK-Standorten beschäftigt. In der Molkereiindustrie kommen in der Regel sogenannte NH3-Kälteanlagen zum Einsatz. Diese eigenen sich bestens, um die notwendige Hygiene und Sicherheit im Herstellungsprozess zu gewährleisten.

An der Arbeit dieser Kältemaschinen sind Energieumwandlungs- und Übertragungsvorgänge beteiligt. Wir haben uns hier einmal genau angesehen, welche Konfigurationen sich am besten für die von uns angestrebte Flexibilisierung eignen.

Das Ergebnis war ein Modell, dass den Energiebedarf im Produktions- und Kälteprozess in direkte Relation mit dem Strombörsenpreis stellt. Wenn ein großes Stromangebot verfügbar ist – indiziert durch einen niedrigen Beschaffungspreis – würden die Kälteanlagen innerhalb sehr genauer Parameter ihre Leistung hochfahren und dabei thermische Kältespeicher versorgen. Wenn dann der umgekehrte Fall eintritt – ein knappes Angebot mit hohen Preisen – fahren diese wieder herunter, während der Energiebedarf mit der gespeicherten Energie gedeckt wird.

Haben Sie denn in diesem Zusammenhang im Jahr 2020 wichtige Erfahrungen gesammelt? Wie hat die Corona-Krise Ihre Arbeit beeinflusst?

Im Bereich der Lebensmitteltechnik sind ohnehin allergrößte Sicherheit und Hygiene gefordert. Diese Anforderungen haben sich durch die Pandemie noch einmal verschärft. Dennoch hat die Pandemie unsere Arbeit kaum beeinflusst. Umso zufriedener macht es mich, dass wir unsere Fortschritte und unsere Modellierung weiter vorantreiben konnten. Mit diesen Erkenntnissen gehen wir ins nächste Jahr und arbeiten weiter daran, auch hier das Thema Nachhaltigkeit in der DMK Group voranzutreiben. Ich bin da überaus positiv gestimmt.